Cover: Anton taucht ab 9783407799661

Anton taucht ab

Milena Baisch (Text),
Elke Kusche (Illustration)


Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-79966-1
9,95 € (D)
Originalsprache: Deutsch
Preisträger 2011, Kategorie: Kinderbuch
Ab 8 Jahren

Jurybegründung

Cool wie kein anderer, ein Meister der Schlagfertigkeit, in allen Chatrooms zu Hause – aber vor einem See als Badestelle muss er kapitulieren. Mit den Großeltern in die Ferien zu fahren, das kann Anton noch akzeptieren. Auch mit dem Campen im Wohnwagen arrangiert er sich. Doch ein Campingplatz ohne schönen, sauberen, blitzblauen Swimmingpool – das geht wirklich nicht! An ein Bad in dem ekligen See ist für Anton gar nicht zu denken. Auch das Ansinnen der Großeltern,...
Anton möge doch Freunde – andere Kinder! – finden, ist für den Surfer im weltweiten Netz eine Zumutung. Anton spürt die Erwartungen der Großeltern und beruhigt oder belügt sie wahlweise, um ihre Zweifel zu zerstreuen, er könnte kein glückliches, normales Kind sein. Aber eigentlich sitzt Starflashman, so Antons Chatname, auf dem Trockenen.
 
Versucht er zunächst, sich mit Knusperflakes und Fernsehen im Wohnwagen zu verschanzen, bewegen ihn die Großeltern schließlich, mit ihnen loszuziehen. Die Großmutter wirbt fürs Schwimmen, der Großvater angelt. Beide Tätigkeiten sind für Anton der reine Horror: Maden auf Haken spießen, um Fische zu ermorden – das ist nichts für ihn. Und den fröhlichen Einladungen der Großmutter, ins Wasser zu kommen, kann er nicht folgen, weil er genau vor sich sieht, welche fiesen Dinge in diesem See sein könnten. Auch der Kontakt zu anderen Kindern behagt ihm nicht. Lieber lässt er seinen selbstgebauten, ferngesteuerten Super-Truck über den Strand und durch die Büsche jagen.
 
Vom ersten bis zum letzten Satz erweist sich der Erzähler als ein Könner der naiv-ironischen Brechung, die den Leser mehr wissen lässt, als der Erzähler selbst weiß. Sie zieht sich durch das Konstrukt dieses Kinderromans und durch jede Szene: So erscheint Anton dem Leser auf der einen Seite als der große Held. Dann wiederum ist er ein Junge, der einen Fisch im Gurkenglas auf dem Campingplatz spazieren fährt und ihm einen Namen gibt, wild und gefährlich wie sein Besitzer: Piranha. Oder es prügelt sich der selbsternannte Gegner aller Gewalt mannhaft für seinen Fisch, nur um hinterher festzustellen, dass er zu dämlich war, um die Sinnlosigkeit der Keilerei zu erkennen. Ein Held, der erleichtert ist, dass das „Wundspray für Kinder“ der Großmutter nicht auf seinen Kampfwunden brennt. Ein Junge, der Tag und Nacht von seinen Heldentaten träumt, sich aber nicht traut, eine Made anzufassen, und dessen Beine statt Muskeln nur „weiches Fleisch“ zeigen. Und immer wieder der Ekel vor dem Badesee, der ihn nötigt, vor den anderen Kindern allerlei großspurige Ausreden zu finden, warum er nicht ins Wasser geht.
 
Die Illustrationen von Elke Kusche greifen die Horrorvorstellungen Antons gnadenlos auf. Im Modergrün von Schlingpflanzen zeigt jede Vignette einen anderen Grusel Antons: aus dem Wasser springende Fische, Frösche, Algen, alte Flaschen und rostige Dosen. Die harmonische Einheit von Papier und monochromer Gestaltung in Illustration und Typographie machen diesen Kinderroman auch zu einem Stück Buchkunst.

Der pointensicher aus Antons Sicht erzählte Roman besticht durch seine ironische Brechung der Abenteuerheldengeschichte, denn die einzig wahre Heldentat ist der Köpper in den See am letzten Ferientag – für Anton das neue Einloggen. Die mitreißende Erzähllust und nicht zuletzt auch sein finales Wort: „Karramba!“ zeichnen diesen Kinderroman aus.

Cool wie kein anderer, ein Meister der Schlagfertigkeit, in allen Chatrooms zu Hause – aber vor einem See als Badestelle muss er kapitulieren. Mit den Großeltern in die Ferien zu fahren, das kann Anton noch akzeptieren. Auch mit dem Campen im Wohnwagen arrangiert er sich. Doch ein Campingplatz ohne schönen, sauberen, blitzblauen Swimmingpool – das geht wirklich nicht! An ein Bad in dem ekligen See ist für Anton gar nicht zu denken. Auch das Ansinnen der Großeltern, Anton möge doch Freunde – andere Kinder! – finden, ist für den Surfer im weltweiten Netz eine Zumutung. Anton spürt die Erwartungen der Großeltern und beruhigt oder belügt sie wahlweise, um ihre Zweifel zu zerstreuen, er könnte kein glückliches, normales Kind sein. Aber eigentlich sitzt Starflashman, so Antons Chatname, auf dem Trockenen.
 
Versucht er zunächst, sich mit Knusperflakes und Fernsehen im Wohnwagen zu verschanzen, bewegen ihn die Großeltern schließlich, mit ihnen loszuziehen. Die Großmutter wirbt fürs Schwimmen, der Großvater angelt. Beide Tätigkeiten sind für Anton der reine Horror: Maden auf Haken spießen, um Fische zu ermorden – das ist nichts für ihn. Und den fröhlichen Einladungen der Großmutter, ins Wasser zu kommen, kann er nicht folgen, weil er genau vor sich sieht, welche fiesen Dinge in diesem See sein könnten. Auch der Kontakt zu anderen Kindern behagt ihm nicht. Lieber lässt er seinen selbstgebauten, ferngesteuerten Super-Truck über den Strand und durch die Büsche jagen.
 
Vom ersten bis zum letzten Satz erweist sich der Erzähler als ein Könner der naiv-ironischen Brechung, die den Leser mehr wissen lässt, als der Erzähler selbst weiß. Sie zieht sich durch das Konstrukt dieses Kinderromans und durch jede Szene: So erscheint Anton dem Leser auf der einen Seite als der große Held. Dann wiederum ist er ein Junge, der einen Fisch im Gurkenglas auf dem Campingplatz spazieren fährt und ihm einen Namen gibt, wild und gefährlich wie sein Besitzer: Piranha. Oder es prügelt sich der selbsternannte Gegner aller Gewalt mannhaft für seinen Fisch, nur um hinterher festzustellen, dass er zu dämlich war, um die Sinnlosigkeit der Keilerei zu erkennen. Ein Held, der erleichtert ist, dass das „Wundspray für Kinder“ der Großmutter nicht auf seinen Kampfwunden brennt. Ein Junge, der Tag und Nacht von seinen Heldentaten träumt, sich aber nicht traut, eine Made anzufassen, und dessen Beine statt Muskeln nur „weiches Fleisch“ zeigen. Und immer wieder der Ekel vor dem Badesee, der ihn nötigt, vor den anderen Kindern allerlei großspurige Ausreden zu finden, warum er nicht ins Wasser geht.
 
Die Illustrationen von Elke Kusche greifen die Horrorvorstellungen Antons gnadenlos auf. Im Modergrün von Schlingpflanzen zeigt jede Vignette einen anderen Grusel Antons: aus dem Wasser springende Fische, Frösche, Algen, alte Flaschen und rostige Dosen. Die harmonische Einheit von Papier und monochromer Gestaltung in Illustration und Typographie machen diesen Kinderroman auch zu einem Stück Buchkunst.

Der pointensicher aus Antons Sicht erzählte Roman besticht durch seine ironische Brechung der Abenteuerheldengeschichte, denn die einzig wahre Heldentat ist der Köpper in den See am letzten Ferientag – für Anton das neue Einloggen. Die mitreißende Erzähllust und nicht zuletzt auch sein finales Wort: „Karramba!“ zeichnen diesen Kinderroman aus.

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Personen

Text
1976 geboren, studierte an der Filmakademie in Berlin. Neben Drehbüchern für Film und Fernsehen hat sie bereits zahlreiche Bilderbücher sowie Vorlese- und Erstlesergeschichten veröffentlicht.
Illustration
Jahrgang 1980, studierte Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar und ist seitdem freischaffend als Illustratorin und Grafik-Designerin tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Weimar.
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