Wie ein unsichtbares Band

Cover Inés Garland (Text)
Ilse Layer (Übersetzung)
Wie ein unsichtbares Band
Aus dem Spanischen von Ilse Layer
Fischer KJB
ISBN: 978-3-596-85489-9
€ 14,99 (D), € 15,50 (A), sFr 21,90
252 Seiten
Ab 14

Preisträger 2014, Kategorie: Jugendbuch

Jurybegründung
„Ich sah sie schon von weitem, sie saß auf einem Ast, die Beine im Wasser, als hätte sie schon immer dort gesessen. Zu ihren Füßen lag noch ein Mädchen, das genauso aussah wie sie, nur aus Wasser, und beide grinsten, wie die Katze in Alice im Wunderland. Als ich näher kam, zerfloss das Mädchen aus Wasser, und das andere, das auf dem Ast saß, sprang herunter.“
(S. 10; „La vi de lejos, sentada en una rama, con los oies en el agua, como si hubiera ahí desde siempre. De sus pies brotaba otra chica idéntica, de agua, y las dos sonreían como el gato en Alicia en el Pais de las Maravillas. Cuando me acerqué, la chica de agua se rompió y la que estaba sobre la rama bajóde un salto.”)
 
Der Roman handelt im Argentinien der 1970er-Jahre. Eine erwachsene Ich-Erzählerin lässt die Ereignisse ihrer Kindheit und frühen Jugend wieder lebendig werden: Die behütete Tochter einer wohlhabenden Familie aus Buenos Aires findet in dem ländlichen Wochenend- und Feriendomizil der Eltern ihr persönliches Paradies, das sie an der Seite der beiden Nachbarskinder durchstreift. Als die drei ungleichen Freunde älter werden, geht ihre Verbundenheit verloren. Die große Gefahr, die ihren Freunden droht, erkennt die Erzählerin nicht, denn sie lebt wie unter einer Glasglocke, die sie von den sozialen und politischen Realitäten abschirmt. In dieses Leben bricht der Terror des Militärregimes – dem ihre beiden Freunde schließlich zum Opfer fallen – wie eine Naturkatastrophe hinein.
Der Roman wird weithin aus der Sicht des erlebenden Ichs erzählt, mit einem elegischen Unterton und knapp dosierten Reflexionen der erwachsenen Erzählerin. Besonders im ersten Teil besticht die fast intime Nähe zu den dargestellten Landschaften, Figuren und Ereignissen – die Erzählerin nimmt sich Zeit, um den Eindrücken ihrer Kindheit sprachlich nachzuspüren. Der so entstehende fließende Rhythmus wie auch die sinnliche Qualität ihrer Schilderungen werden in der Übersetzung sehr gut wiedergegeben. Die Landschaft am Río de la Plata bestimmt nicht nur das Kolorit der erzählten Welt, sie prägt auch die Sprache dieses Romans und bildet metaphorisch die Perspektive des erinnernden Ichs ab – die erinnerten Bilder sind unscharf wie Wasserspiegelungen und ihre Folge mäandernd wie der Lauf des Flusses.
Im zweiten, die politischen Entwicklungen thematisierenden Teil des Romans wird der Erzählton etwas distanzierter, während das Geschehen unaufhaltsam auf seinen katastrophalen Ausgang zusteuert. Auch wenn die Stimme der erwachsenen Erzählerin etwas mehr zu vernehmen ist als im ersten Teil, bleibt die Perspektive des verzweifelt um seine Liebe kämpfenden, angesichts der Übermacht von Unrecht und Gewalt zutiefst verstörten jungen Mädchens bestimmend.

Durch diese Erzählweise gewinnt der Text ein hohes Maß an Spannung und Eindringlichkeit.



AUTORIN
Inés Garland
  Inés Garland,

arbeitet als Journalistin, Übersetzerin, Autorin von Büchern und Drehbüchern und leitet Schreibwerkstätten. Viele Jahre schlummerten ihre Texte in der Schublade, bis sie sich entschloss, sie einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren.


© Foto: Alejandra Susanna Lopez

ÜBERSETZERIN
Ilse Layer
  Ilse Layer,

arbeitete nach ihrem Studium zunächst im Kulturbereich und in einem Verlag, bevor sie sich als Literaturübersetzerin für Spanisch und Englisch selbstständig machte. Sie bereist nicht nur gern fremde Sprachen, sondern auch fremde Länder. Zu Hause ist sie seit vielen Jahren in Berlin.


© Foto: privat

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