Jurybegründung

Befragt zur Funktion von Illustrationen antwortet Norman Junge: „Illustrationen sollen mitteilsam sein.“ Mit dieser Äußerung führt er ins Zentrum seines Schaffens, das nicht zwischen einem kindlichen und erwachsenen Adressatenkreis unterscheidet: Der Künstler will Kontakt mit den Rezipienten seiner Werke aufnehmen, mit ihnen kommunizieren, sie anregen, herausfordern und belustigen.

Junge wählt für seine Illustrationen hauptsächlich Texte, die voraussetzen, dass hinter der Welt der sinnlichen Erfahrungen noch eine weitere existiert; in den Texten von Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Ernst Jandl und Paul Maar wird der Phantasie ein Eigenrecht eingeräumt. Junge gelingt es mit seiner Kunst nicht nur eine Brücke zu diesen Texten zu bauen, sondern ihnen mit seinen Illustrationen noch eine weitere Deutungsebene hinzuzufügen.

Dabei bedient sich Norman Junge einer eigenen Bildsprache, die sich konsequent der Verzweckung entzieht; sein Schaffen steht für Schönheit und Freiheit und erkennt die Realität der Phantasie an. Zu allen Zeiten ist eine solche Sprache vonnöten, um auf die der Kunst innewohnende Freiheit hinzuweisen. Und für diese Sprache der Phantasie hat Norman Junge unverwechselbare und unvergessliche Bilder geschaffen.